Sollen Leitlinien überhaupt umgesetzt werden?Das von verschiedenen Arbeitsgruppen in unterschiedlichen Fragestellungen erarbeitete und in mehreren Bürgerversammlungen in den verschiedenen Teilgemeinden der Verbandsgemeinde diskutierte Leitlinienkonzept wurde vom Rat in begrüßenswerter Weise freundlich aufgenommen. In Ihm finden sich doch einige Kernaussagen, die durchaus große Fortschritte für die Gesamtgemeinde bringen können, wie „die Verbandsgemeinde muss ihr Profil hinsichtlich ihres Landschaftspotentials weiter ausbauen“. Erfolg ist dann messbar, wenn man „ Kulturlandschaft (..) ökologisch, landwirtschaftlich und touristisch angemessen zu nutzen“ versteht. Alle Teilgemeinden der Verbandsgemeinde werden aufgefordert alle „Konzentration auf diese Kompetenzen“ zu legen, wobei die sogenannten Randgemeinden „als Anbieter von Zusatzleitungen gefördert werden“.
Doch schon bei der zweiten großen Entscheidung des Abends war von dieser Aufbruchstimmung nichts mehr zu spüren. Auf den vorangegangenen Bauausschusssitzungen war man sich fraktionsübergreifend einig gewesen vor der Entscheidung über die neue Heizungsanlage in der Ahrbrücker Grundschule eine Expertenmeinung bezüglich einer kombinierten Anlage aus Öl- und Holzhackschnitzelbefeuerung anzuhören. Sogar die Mehrheitsfraktion der CDU hatte sich offen gegeben gegenüber einer Beratung durch die Transferstelle Bingen, einem Institut für regionale und regenerative Energien. Am Abend der Entscheidung musste aber dann alles auf einmal ganz schnell gehen. Eine einfache Zahl über die angeblichen Mehrkosten einer solchen Kombiheizung genügte als Information. Die Kostenaufstellung des beauftragten Planungsbüros für eine rein technische Anlage wurde genauso wenig hinterfragt, wie die Erfahrungen des Büros mit kombinierten Öl- Holzhackschnitzelanlagen. Ebenso wenig setzte man den eigenen Beschluss um, die Forstwirtschaft zur Beratung einer Holzhackschnitzelanlage hinzu zu ziehen. Eine solch innovative Heizungsanlage sollte nach Meinung der Grünen Fraktion nicht nur im Anschaffungspreis gesehen werden, sondern auch im ökologischen und waldwirtschaftlichen Nutzen. „Mit dem Einsatz solch kombinierter Öl - Holzhackschnitzelheizungen in großen öffentlichen Gebäuden werden nicht nur regionale Wirtschaftsstrukturen gestärkt, insbesondere tritt hier neben die Waldpflege auch der Erhalt von Arbeitsplätzen. Dies macht zu mindestens eine genaue Betrachtung der tatsächlichen Kosten unter Einbeziehung der Nutzungsvorteile, notwendig“, so Johannes Fuhrmann von den Mittelahr - Grünen.
Es bleibt zu hoffen, dass das mangelhafte Informationsbedürfnis der Mehrheitsfraktion langfristig die Altenahrer Bürger nicht noch teuer zu stehen kommt, denn wer weiß schon in welche Höhen sich der Ölpreis noch entwickelt. Eine Entscheidung pro Holzhackschnitzel-anlage hätte die VG von diesen Entwicklungen sicherlich unabhängiger gemacht. Die Mittelahr – Grünen jedenfalls „werden sich weiterhin um den Energieträger Holz bemühen“, so Fuhrmann. „Herrn Verbandsbürgermeister Haag werden wir vor der nächsten derartigen Entscheidung an sein Versprechen erinnern, beim Bau der nächsten größeren Heizungsanlage Holzhackschnitzel näher in Betracht zu ziehen.“  |