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Aktuelles aus Kreisverband und Kreistagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Umstrittener Prognos-Familienatlas

Anrede,
es gibt ja nun erwartungsgemäß eine Auseinandersetzung, was in den Familienatlas hinein- oder aus ihm heraus zu interpretieren ist.
Versuchen wir also, das Wesentliche festzuhalten.
Lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf den Untertitel: ”Regionen im Wettbewerb um Familien”. Genauer finden Sie die Aussage Seite 6 :
”Deutschlands Regionen befinden sich längst in einem Standortwettbewerb um Familien”
Wenn das so ist, schließt sich die Frage an:
Wo steht der Landkreis Ahrweiler in diesem Wettbewerb?

Prognos stellt die TOP 25 heraus, als die besten Städte und Landkreise.
Der Kreis Ahrweiler steht unter den TOP 25.
Allerdings nicht unter den TOP 25 bundesweit. Er steht unter den TOP 25 landesweit. Wobei es nur 24 Landkreise gibt.
Er steht auch landesweit bei weitem nicht an der Spitze, entgegen dem selbstgewählten Prädikat ”kinderfreundlichster Kreis”, oder ”familienfreundlichster Kreis”, oder welcher Superlativ gerade welche Werbebroschüre schmückt.
”Top –Region”, unter den Top 25 bundesweit, ist Bernkastel Kues.
Dagegen ist eine ”passive Region” nicht Spitze der Bewegung, sondern eine ”Region, in der Investitionen in Familie oft nur geringe Priorität haben.”

Um an der Spitze zu stehen, ist nicht nur zu spät und zu schleppend agiert worden. Über Jahre hinausgezögert wurde die überfällige, jetzt erst vollzogene Modernisierung der Bedarfskriterien.
Bis dahin wurden Eltern, die beide berufstätig sind, aus dem Bedarf hinausdefiniert.
Das war das Gegenteil von Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Und auch der Kindertagesstättenbedarfsplan selbst, seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben, ist im Kreis Ahrweiler lange überfällig.

Es gibt einen wohlfeilen Kreistagsbeschluß, wegen sinkender Kinderzahlen frei werdende Regelplätze für erweiterte Betreuungsangebote zu nutzen.
Nur: wie ist die Realität?
Wir haben es in der Kreisstadt gerade durchexerziert.
Der Bedarfsplan stellt dort Bedarf für die Teilräume 12, 13 und 14 fest.
Wenn wir dann Angebote einfordern, kriegen wir die Auskunft der Stadtverwaltung (und nicht nur wir, sondern die Eltern):
-Raum12: alle Plätze restlos belegt, kein Platz für weitere Angebote
-Raum 13: alle Plätze restlos belegt, kein Platz für weitere Angebote
-Raum 14: alle Plätze restlos belegt, kein Platz für weitere Angebote
-und wörtlich, ”das wird noch über Jahre so bleiben”.
So gibt es Wartelisten im Blandine-Merten-Haus, im ev. Kindergarten, Wartelisten im katholischen Kindergarten St. Mauritius. So müssen Eltern abgewiesen werden, die einen Arbeitsplatz antreten wollen, aber das dann nicht können, mangels Kinderbetreuung. Das Ergebnis sehen wir im EP 4, Kosten der Unterkunft.
Das alles kommt aber nur zu Tage, wenn man sich nicht abwimmeln läßt, Anträge auf Erweiterung der Angebote stellt, die dann nicht mehr anders als mit dem Eingeständnis fehlender Kapazitäten abgelehnt werden können.
Immer noch nicht wird offen über Defizite gesprochen, offen über Abhilfe beraten.
Ermittelter Bedarf dient vordringlich der Frage, in welcher Größe man den Teppich vorhalten muß, unter den man diesen Bedarf kehren kann.

Das ist die Realität. Und jetzt die Folgen:
Seit Ende 2004 nimmt die Bevölkerung des Kreises ab.
Neben dem biologischen Saldo ist jetzt auch das Wanderungssaldo des Kreises negativ geworden. Die Fortzüge übersteigen die Zuzüge.
Das positive Wanderungssaldo, das 1989 einsetzte schmilzt seit einigen Jahren zusammen und ist ins Negative gekippt.
Das wirkliche Problem aber bringt ein Blick auf die Alterstruktur der Zu- und Fortziehenden.
Bei den ”Jüngeren” überwiegen die Fortzüge aus dem Kreis gegenüber dem Zuzug in den Kreis. Die jüngeren sind die Altersgruppe bis einschl. der 50jährigen. Zuzüge in den Kreis überwiegen nur bei den Altersgruppen ab 50 aufwärts.
Das ist der Warnschuß, und es müßte ihn jetzt jeder gehört haben.

Hier erhalten Sie weitere Informationen:
http://www.prognos.com/familienatlas/

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