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Aktuelles aus Kreisverband und Kreistagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dubioses Geschäft geplatzt

Nürburgring Immer mehr Pannen bei der Finanzierung des Projekts „Nürburgring 2009“ werden bekannt: Fast wäre die betreibende GmbH auf einen windigen Finanzinvestor reingefallen und hätte damit viele Millionen öffentlicher Mittel in den Sand gesetzt.
Ein Konto in Liechtenstein, dubiose Geschäftspartner in Dubai, ein Firmengeflecht mit Sitz in Luxemburg, das Rätsel aufgibt – die Finanzierung des mittlerweile 252 Millionen Euro teuren Freizeit-
und Geschäftszentrums am Nürburgring erscheint im Nachhinein immer abenteuerlicher.
Beim Versuch, billig an Bares für ihr Großprojekt zu kommen, ist die Nürburgring GmbH im vergangenen Jahr einem Treuhänder mit zweifelhafter Seriösität aufgesessen. Ein Kenner spricht ganz offen von einem „Baron von Münchhausen“. Der Coup, das Projekt an der Eifelrennstrecke über einen Fonds zu finanzieren, erlitt peinlichen und wohl auch teuren Schiffbruch.
Plan war, dass die zunächst veranschlagten 135 Millionen Euro (mittlerweile 158 Millionen) für die Investitionen der Nürburgring GmbH von einem Fonds übernommen werden, der in den USA
Lebensversicherungen kauft. Die wollen deren Besitzer entweder nicht mehr bedienen oder sie können es nicht. Ein Finanzgeschäft, bei dem dennoch beide Seiten profitieren können. Der Versicherungsnehmer
muss nicht länger die Prämie zahlen und bekommt beim Verkauf mehr, als
wenn er die Police bei seiner Versicherung vor Vertragsablauf einlöst. Der Fonds schnappt sich seinerseits bei Ablauf die komplette Überschussbeteiligung. Senior Life Settlements (SLS) nennen
Banker das. Wäre es zur Fonds-Finanzierung gekommen, hätte die GmbH ihre neuen Immobilien am Ring zu einem günstigeren Betrag zurückgeleast. Gegenüber einem klassischen Bankdarlehen wollte man so rund 60 Millionen Euro sparen.
Einfädeln sollte den Deal das deutsch-luxemburgische Firmengeflecht IPC. Deren Mittelsmann war wiederum ein Schweizer Kaufmann mit Sitz in Dubai. Nach Informationen unserer Zeitung wurde über Top-Anwälte mehr als ein Jahr mit dem Schweizer verhandelt. Der verlangte als
Sicherheit die Hinterlegung von 80 Millionen Euro auf ein Liechtensteiner Konto, berichtet der „Stern“. Über ein Konto der Nürburgring GmbH kam das Mainzer Finanzministerium dieser
Forderung nach. Zugang zum Konto hatte aber nur die GmbH.
Zudem wurde die Seriosität des Schweizers auf den Prüfstand gestellt. Dabei sei auch das Landeskriminalamt eingeschaltet worden. „Der Mann wurde top durchleuchtet“, so ein Insider.
„Am Ende hat er sich als ein Baron von Münchhausen auf höchstem Niveau entpuppt.“ Die 80 Millionen seien aber nie in Gefahr gewesen. Eine erhebliche Summe dürfte die Nürburgring GmbH aber an Anwälte gezahlt haben.
Nach wie vor wird weiter nach privaten Investoren für das Freizeit- und Geschäftszentrum gesucht.
Auch IPC, jetzt unter dem Namen Pinebeck, ist weiter im Geschäft. Mittlerweile haben die Manager aber noch ein weiteres Loch zu stopfen. Wer gibt derart detaillierte Informationen an die
Öffentlichkeit, dass sogar Details des Liechtensteiner Kontos nicht geheim bleiben? Neben potenten Geldgebern sucht man am Nürburgring einen „Maulwurf“.
Der Steuerzahlerbund greift jetzt Kritik aus seinem Schwarzbuch auf. Stefan Winkel, Referent für Haushaltspolitik: „Finanzminister Deubel muss eine Übersicht über alle beteiligten Firmen geben und dabei sämtliche Finanz- ströme und Risiken offenbaren.“ Und auch die Opposition knurrt vor der heutigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses: „Wir haben etliche Fragen auf dem Zettel“, sagt der CDU-Abgeordnete Michael Billen. „Hier ist viel aufzuklären.“
Uli Adams Mo, 16. Feb. 2009, 20:54 © Rhein-Zeitung

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