Denkmalzerstörung in Bad Neuenahr-Ahrweiler – nächster AktAuch die vierte Beratungsrunde des Stadtrates in vier Monaten brachte CDU, FWG und FDP in der vergangenen Woche nicht von ihrem Beschluß ab, die historische Amseltalbrücke in Bad Neuenahr abzureißen zu wollen. Aber auch dem Ortsteil Kirchdaun steht nun bevor, ein Kulturdenkmal an den Bagger zu verlieren: der markante Abschnitt des historischen „Königwegs“ soll einem privaten Bauvorhaben zum Opfer fallen. „Der Beschluß gegen die Bedenken der Denkmalpflege fiel mit den Stimmen der CDU, nachdem auch das Festhalten am Abriß der Amseltalbrücke bestätigt war“, macht die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf die bemerkenswerte Duplizität der Ereignisse in der zurückliegenden Stadtratssitzung aufmerksam.
Bei dem „Königsweg“ handelt es sich um einen Teil der alten, historisch bedeutsamen „Frankfurt-Aachener Heerstraße“, auf denen der Verkehr zwischen den mittelalterlichen Machtzentren und Krönungsorten verlief. Am Ortseingang von Kirchdaun ist der Trassenverlauf als auch landschaftlich prägender Hohlweg deutlich erkennbar. Die Denkmalpflege stuft den Weg als „intaktes, überregional für die Kultur- und Handelsgeschichte bedeutendes Denkmal ein“, das „in seinem Erscheinungsbild vollständig erhalten“ sei. Das geplante Bauvorhaben würde diesen Bereich „erheblich beeinträchtigen bzw. zerstören.“ Andreas Schmickler plädierte für Die Grünen vergeblich zugunsten der Denkmalpflege. Auch ein von Schmickler ins Feld geführter Artikel einer Lokalzeitung aus dem Jahr 1957, nach dem Kirchdaun und der mittelalterliche Heerweg untrennbar zusammengehören, brachte das Bauvorhaben nicht zum Stehen. Das eigentlich schon abgeschlossene Verfahren war durch einen gemeinsamen Antrag von CDU, FWG und eines FDP-Mitglieds wieder aufgegriffen worden. Die Mehrheit der CDU zog jetzt, gegen die Bedenken von Denkmal- und Landespflege und selbst der Stadtverwaltung, „ihr“ Bauvorhaben ungerührt weiter durch. „Die massiven Bedenken und damit das historische Kulturgut selbst waren der CDU kein Wort wert: stumm, ohne Kommentar und Begründung, wurden die Bedenken niedergestimmt und die Fortsetzung der Bauplanungen beschlossen“, beschreibt Wolfgang Schlagwein die „besondere, aber durchaus nicht einmalige Atmosphäre“ im Stadtrat. Dabei stehe dem Verlust eines die Identität von Kirchdaun prägenden Kulturdenkmals lediglich eine „geringfügige Erweiterung des Innenbereiches“ gegenüber, zitieren Bündnis 90/Die Grünen aus dem Text der Bausatzung.
Andreas Schmickler, gebürtiger Kirchdauner, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Archäologie und Bodendenkmalpflege und hat vor einigen Jahren im städt. Museum im Ahrweiler "weißen Turm" eine Ausstellung zur Aachen-Frankfurter Heerstraße gestaltet. |