Grüne bevorzugen innenstadtnahes Wohnen vor weiteren GeschäftsbautenWarum denn nicht gleich so? So fassen Die Grünen im Rat der Kreisstadt die Vorlage zur „Zukunftsplanung Bad Neuenahr“ für die kommende Sitzung des Stadtrates zusammen. Darin haben eine Reihe von Vorschlägen und Gedanken Eingang gefunden, für die Bündnis 80/Die Grünen in der kommunalpolitischen Diskussion seit vielen Jahren eintreten. So sollen Stadtbäume und Alleen wieder ihre alte Bedeutung im Straßenbild des Heilbades wiedergewinnen. Auch Verbesserungsmaßnahmen für den öffentlichen Nahverkehr und den Fahrradverkehr sind in den Maßnahmenkatalog aufgenommen. Für die Bebauung entlang der neuen Entlastungsstraße haben die Grünen einen eigenen Vorschlag: preisgünstiges, innenstadtnahes Wohnen statt der bisher diskutierten neuen Geschäftsgebäude.
Eine zusätzliche Bebauung mit Geschäftshäusern im Bereich der neuen Entlastungsstraße sowie im Max-Maier-Park am Bahnhof halten Die Grünen derzeit nicht für angeraten. „Wir fürchten einen Sog- und Verdrängungseffekt zuungunsten der südlichen Post- und Telegrafenstraße. Die Entwicklung um das Both-Gelände zeigt, daß selbst städtisches Grundeigentum und städtebauliche Verträge letztlich nicht die wirtschaftliche Eigendynamik zu lenken vermögen, wenn erst einmal die baulichen Kristallisationspunkte geschaffen sind“, fasst Wolfgang Schlagwein die Bedenken seiner Fraktion zusammen. Statt dessen schlagen Die Grünen vor, in der planerischen Entwicklung der fraglichen Flächen innenstadtnahem, preiswerten Mietwohungsbau den Vorrang zu geben. „Statt die Zersiedelung in den Außenbereichen voranzutreiben und damit die Infrastrukturkosten wie auch die Verkehrsprobleme weiter anzuheizen, sollten wir die Wohnfunktion und damit auch die Kaufkraft in der unmittelbaren Innenstadt stärken. Junge Familien sollten nicht nur am Stadtrand, sondern auch im Kern der Stadt eine Perspektive finden“, so Schlagwein. „Wenn wir einer Bebauung näher treten, dann in dieser Richtung.“
Positiv vermerken Die Grünen, daß ihre langjährigen Bemühungen um die Wiederbelebung der Stadtbäume und Straßenalleen als Gestaltungselement nicht ohne Wirkung bleiben. Ob und wie schnell der – neben den Jugendstilgebäuden - ehemals prägende Charakter der Baumpflanzungen wiedergewonnen wird, dazu kann Andreas Schmickler eine gewisse Skepsis nicht verbergen. „Zu oft findet sich die Einschränkung ‚soweit möglich’ in den Planungsunterlagen“, sieht Schmickler noch manches Tauziehen um die zukünftigen Baumpflanzungen.
Auch das Werben um Verbesserungsmaßnahmen für den Nahverkehr hat für Die Grünen Früchte getragen. So soll der Busverkehr, nach den ursprünglichen Planungen in die neue Entlastungsstraße und damit an den Rand des Geschäftszentrums verbannt, nun doch auch zukünftig die Hauptstraße unmittelbar erschließen. Gerade für die vielen älteren Menschen bleibt so die Voraussetzung für Einkäufe und Besuche im Innenstadtbereich erhalten. Auch der Bahnhofsvorplatz findet als zentrale Schnittstelle und Drehscheibe für den Nahverkehr seinen Niederschlag in den Planungsgrundlagen.
Aus grüner Sicht fehlen jedoch nach wie vor die Bushaltestellen als wichtiges funktionales und gestalterisches Element. Hier sehen Schlagwein und Schmickler angesichts des desolaten Zustandes vieler Haltestellen noch erheblichen Nachbesserungsbedarf.
Als wichtigen Impuls für den Radverkehr im Stadtbereich sehen Die Grünen ihren Vorschlag zur Öffnung der Einbahnstraßen für Fahrräder, der sich ebenfalls im Maßnahmenkatalog wiederfindet. Nur so sei eine wirkliche, flächendeckende Erschließung des Geschäftszentrums auch für den Radverkehr möglich. Es dürfe allerdings nicht eine handwerklich so katastrophale Lösung wie in der Telegraphenstraße dabei heraus kommen. |