„Die Katze ist aus dem Sack“„Panikmache“ wurde den Grünen vorgeworfen, als sie vor zwei Wochen auf die Situation im städtischen Hallenbad Twin aufmerksam machten. Nun kommt scheibchenweise die Wahrheit ans Licht. Bürgermeister Dr. Tappe schließt den Abriss nicht mehr aus. „Wenn nach über vierjährigem Herumgeplane am Twin der Bürgermeister plötzlich in Frage stellen muß, ob der Zustand der Bausubstanz eine Sanierung überhaupt noch erlaubt“, ist das in den Augen von Wolfgang Schlagwein, Fraktionssprecher der Grünen im Rat „ein kompletter Offenbarungseid“.
Über Wochen war das städtische Hallenbad TWIN geschlossen. Eigentlich sollte das Bad – wie jedes Jahr – nur einige Tage über den Jahreswechsel für turnusmäßige Reinigungs- und Wartungsarbeiten geschlossen bleiben. Doch dann sagte die Stadt eine für den 4. Januar geplante Pool-Party kurzfristig ab. Der Grund: Schäden an der Gebäudesubstanz. Offenbar war die Tragfähigkeit der Schwimmhalle nicht mehr gesichert. „Das Publikum wurde jedenfalls nicht ausgesperrt, weil 4 Wochen die Fenster geputz wurden“, stellt Schlagwein fest. „Die Notmaßnahme war so eilig, daß für eine ordentliche Beratung und Vergabe keine Zeit war und der Bürgermeister die Arbeiten ohne Zustimmung des Rates oder des Hauptausschusses vergab.“ Lediglich in einer unter „Verschiedenes“ ausgeteilten Tischvorlag wurde der Stadtrat über die außerplanmäßige Schließung des Twin und die Einleitung von Sofort-Maßnahmen „zur Sicherung der Gebäudesubstanz“ in Kenntnis gesetzt.
Die Grünen-Fraktion im Rat hatte schon längere Zeit die Befürchtung, daß es um die Gebäudesubstanz der Schwimmhalle schlechter bestellt ist, als offenbart wurde. Deshalb hatte Udo Heimermannn schon im September nach der Tragfähigkeit der Hallenkonstruktion gefragt. Der Architekt vertritt Bündnis 90/Die Grünen in der Arbeitsgruppe, die vor einigen Monaten zur Begleitung der Sanierungsplanungen des TWIN eingerichtet wurde. Heimermann erhielt die Auskunft, die Halle sei „noch ausreichend tragfähig“ und würde regelmäßig gewartet. Umso mehr wundern sich Die Grünen, daß über Nacht, nach nun schon über vierjährigen Sanierungsplanungen bisher unbemerkte Schäden ans Licht kommen, die eine so außergewöhnliche Schließung erfordern. „Der Bürgermeister ist mit der längst überfälligen Sanierung des Twin überfordert. Seine Kostenansätze stiegen seit 2005 von 1,1 auf 1,4 Mio €, dann auf 3,9 Mio €, wobei zwischenzeitlich für ‚Attraktivitätssteigerungen‘ weitere 4,5 Mio € im Raum standen - ohne MwSt. Dann sollten die Gesamtkosten auf 6,5 Mio gedeckelt werden, aber mit einem Abriß wird es statt dessen noch weiter nach oben gehen“, faßt Schlagwein das jahrelange Kosten-Jo-Jo zusammen. |