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Neues aus dem Ortsverband Bad Neuenahr-Ahrweiler

Wandern an der mittelalterlichen Krönungsstraße

Eine mittelalterliche Fernverbindung von europäischer Bedeutung durchzieht seit mindestens dem 8. Jahrhundert n.Ch. den Nordosten des Kreises Ahrweiler. Von der Gemeinde Grafschaft über Kirchdaun nach Sinzig führte die Aachen-Frankfurter Heerstraße, auf der jahrhundertelang die deutschen Kaiser zur Krönungszeremonie nach Frankfurt zogen. Noch heute sind die Spuren dieser Krönungsstraße im Gelände zu verfolgen. Leider versäume ein zahnloser Denkmalschutz bis heute, dieses Kulturgut konsequent unter Schutz zu stellen, stellen Bündnis 90/Die Grünen fest, die zu einer Wanderung entlang und zum Teil auch auf der alten Trasse von Leimersdorf nach Bodendorf eingeladen hatten.

Andreas Schmickler, der seit vielen Jahren den genauen Verlauf der alten Heerstraße mit historischen Belegen, aber auch mit aktuellen Luftbildern rekonstruiert, führte die Wandergruppe und informierte über die geschichtlichen Hintergründe.
In flachen Abschnitten nur im Luftbild erkennbar, ist die Trasse in Steigungen als Hohlweg erkennbar. Eindrucksvoll ist vor allem die Steigung von Bodendorf aus dem Ahrtal heraus nach Kirchdaun.
Im Bereich der „Kaiserkammer“ kurz hinter Bodendorf waren etwa 100 Höhenmeter zu bewältigen, und das bei lockerem und weichem Untergrund. Einzelne Trassen wurden bei solchen Voraussetzungen schnell unpassierbar. Bei Regenwetter konnten Wagen und Reisende hier im Schlamm stecken bleiben. Gegenverkehr war, gerade bei den vielen Kilometer langen „Krönungszügen“, bei solchen Wegeverhältnissen ein Problem. Wohin sollte man ausweichen? Aufgrund der starken Beanspruchung durch unzählige Reisende und Pilger verschwand schnell der Bewuchs. Hufschläge und scharfkantige Eisenräder hinterließen tiefe Rinnen und Schlaglöcher. Bei jedem Regen wurde dann das aufgewühlte Erdreich ausgewaschen und fortgeschwemmt, die Trasse fraß sich immer tiefer ein. So entwickelten sich ohne Planung bis zu 10 „Seitenarme“, um große Aushöhlungen des Weges zu umgehen.
Auch bei Leimersdorf sind die Zeichen im Boden noch gut zu erkennen, besonders in Form einer Hangkante mitten in den Getreidefeldern. Wie Andreas Schmickler anhand von Luftbildaufnahmen aus den letzten Jahrzehnten belegt, wird durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung die Hangkante nach und nach eingepflügt. So geht einmal mehr nicht nur ein historisches Bodendenkmal, sondern ein auch wertvolles Landschaftselement in einer ansonsten ausgeräumten Agrarfläche verloren. Bei Kirchdaun ist eine ältere Variante der Strecke bereits durch die Flurbereinigung 1923 zerstört worden. Bis heute erhaltene Reste des Grabens werden weiterhin verfüllt oder zerstört. Aktuell sind hier Relikte des Hohlweges zugunsten von privaten Bauinteressen nicht unter Schutz gestellt worden. Wie so oft, hat sich der Denkmalschutz als zahnloser Tiger erwiesen.

Das rege Interesse war Ansporn für Andreas Schmickler, sich weiter um die vollständige Unterschutzstellung des Denkmals zu bemühen.

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