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Neues aus dem Ortsverband Bad Neuenahr-Ahrweiler

Ortskerne stärken

Anrede,
seit vielen Jahren führen wir in diesem Stadtrat eine Auseinandersetzung um die Ausweisung neuer Baugebiete draußen in den Außenbereichen der gewachsenen Ortskerne.
Die Grünen haben mit Blick auf stagnierende und bald rückläufige Bevölkerung, auf die ökologischen Folgen, aber auch die damit verbundenen Kosten dieser Außenentwicklung den Vorrang der Innentwicklung entgegengesetzt.
Wir freuen uns deshalb sehr, daß nach der „Zukunft Bad Neuenahr“ nun die historische Bausubstanz von Ahrweiler auf die Zukunft vorbereitet werden soll.
Wir begrüßen, wenn auch für den Ortskern von Ahrweiler die Frage gestellt wird, wie wir unseren Gebäudebestand für die Zukunft bewohnbar erhalten.
Genau dafür haben wir uns jahrelang eingesetzt.
Es mag noch einen Dissens geben, ob wir beides zugleich leisten können (und brauchen): Außen- und Innenentwicklung.
Wir meinen nein, aber darum geht es heute nicht.

Heute ist uns wichtig, für die Ahrweiler Altstadt einen ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln.
Wir wollen eine Anknüpfung an die traditionelle Baukultur, aber auch deren Fortentwicklung an veränderte Bedürfnisse und Herausforderungen.

Das Bauhaus der zwanziger Jahre war mehr als ein Architekturstil, es war eine Haltung, ein fächerübergreifendes Bemühen um eine zeitgemäße Alltagskultur.
Was sind die heute die Herausforderungen, die Anforderungen der Zukunft?

An erster Stelle nenne ich den demografischen Wandel, die Veränderung der Altersstruktur, aber auch die Veränderung der Lebensformen und das Thema Migration und Integration.
Letzteres stellt sich auch in einer von Schützen bewachten Altstadt.
Wir müssen eine soziale Quartiersentwicklung ins Auge fassen, die eine lebendige Mischung ermöglicht.
Nicht nur eine soziale Mischung, sondern auch eine funktionale Mischung.
Wir müssen die Grunddaseinsfunktion Wohnen, Arbeiten, Versorgen, Freizeit und Kultur räumlich wieder zusammenführen (FOC!).

Die beschleunigte räumliche Trennung dieser Funktionen war nur möglich auf Grundlage der Verfügbarkeit billigen Öls und der damit einhergehenden Massenmotorisierung. Wir müssen Schritt für Schritt das Konzept einer Stadt der kurzen Wege entwickeln und dem entgegensetzen.
Denn die Zeit billigen Öls und PKW-bestimmter Mobilität ist vorbei.
Zugleich fordert der Klimaschutz eine dramatische Umkehr von vielen Entwicklungen, und wir brauchen daneben auch Maßnahmen zur Anpassung an den jetzt schon nicht mehr vermeidbaren Klimawandel.

An dieser Stelle muß uns klar sein, daß bauliche Investitionen einen Lebenszyklus von mehreren Jahrzehnten umfassen. Das heißt, wir müssen heute die energie- und klimapolitischen Notwendigkeiten nicht der nächsten Jahre, sondern bis 2050 in den Blick nehmen.
Das bedeutet also eine CO²-Senkung von minus 80%, die als Leitziel hinter allen baulichen Maßnahmen stehen muß, eben aufgrund der Perspektive 2050.
Bundesweit sind 75% der Wohngebäude vor 1979 errichtet, in Ahrweiler wahrscheinlich noch mehr.
Wie geht Denkmalschutz mit Wärmedämmung zusammen?
Wollen wir auch nur auf den heutigen ENEV-Stand bringen, ist das schon eine Herausforderung.
Wieweit kann ein Nahwärmenetz auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung wirtschaftlich sein?
Wieviel Erneuerbare Energie können wir lokal in einer Altstadt gewinnen, nach dem Prinzip dezentraler Energieerzeugung nahe an den Orten des Energieverbrauchs?
Wieviel Dach- oder Fassadenbegrünung ist möglich, um z.B. in Zukunft extreme Wetterlagen auszugleichen?
Wieviel Oberflächenwasser können wir bei Extremniederschlägen verkraften?
Welche Chancen bieten veränderte Mobilitätsangebote in einer beengten Altstadt, in der Autostellplätze nur begrenzt zur Verfügung stehen?

All dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, für den wir die Bewohnerinnen und Bewohner mitnehmen müssen.
Wir müssen Sie beteiligen, und dafür auch ein breites und interdisziplinäres Spektrum von Fachleuten bereitstellen, um ein städtisches Quartier mit Vielfalt und Tradition zu gewinnen.

Wir freuen uns auf diesen Planungs- und Beteiligungsprozeß.

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