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SolAHRprojekt

Anrede,
die Solarenergie ist in aller Munde. Das ist gut so. Bald wird sie auch auf allen Dächern sein. Das ist noch besser.
Eine sehr engagierte schulische Initiative hat, Pisa hin oder her, schon im vergangenen Jahr die Zeichen der Zeit erkannt (und dies nicht zum erstenmal). Sie hat gehandelt und unübersehbar ins Blickfeld gerückt, was da seit 2004 vor dem Hintergrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes möglich ist.
Der Landrat wiederum hat letztendlich das Richtige getan, indem er die Initiative erweitert hat: Aus einem Solardach sollen 11 Solardächer oder noch mehr werden.
Unsere Unterstützung dazu hat er.

Auf dem Weg dahin hat es Reibungsverluste und Kommunikationsmängel gegeben.
Es ist eine klassische Managementaufgabe, solche Verlustquellen zu erkennen und auszuräumen. Ein gutes Management bindet Eigeninitiativen und ungenutzte Ressourcen im eigenen Betrieb ein und macht sie für den Betrieb nutzbar.
Aus diesem Grund haben wir Grüne unseren Antrag im Dezember auch so formuliert: vom Energiecontrolling zum Energiemanagement.
Weil es genau da noch hakt.
Reibungsverluste in der Energieversorgung, sollten wir zukünftig vermeiden.

Nun gibt es noch gegen das Vorhaben an sich vereinzelten Widerstand.
Es gehöre sich nicht für eine Kommune, wirtschaftlich tätig zu sein, und im Übrigen sei das Projekt ja auch gar nicht wirtschaftlich.
Die Grünen vertreten nicht die Meinung, jede Form wirtschaftlicher Betätigung einer Kommune sei per se ungehörig.
Kommunen sind alleine nicht dazu da, den Müll wegzukehren und sich um die unbrauchbaren Reste zu kümmern, nachdem alles Verwertbare, zusammen mit den Gewinnen, abgezweigt wurde.
Das Bild fällt mir ein, weil wir gerade bei der Abfallwirtschaft jetzt wieder erleben, wie die Privaten erst angeblich alles besser können als die öffentliche Hand, dann nur mit Bürgschaften dieser inkompetenten öffentlichen Hand über die Runden kommen und schließlich doch in Insolvenz gehen.
Hätte der Kreis die Absicht, eine Bäckerei zu eröffnen, ginge der Kreishandwerksmeister auf die Barrikaden.
Zu Recht, und mit uns, weil der Kreis im Bäckereihandwerk nichts verloren hat.

Aber bei der „Solarstrom Ahrweiler“ liegt die Sache ein wenig anders.
Der Kreis betreibt Schulen. Nicht aus Übermut, sondern aus gesetzlichem Auftrag.
Diese Schulen haben, auch nicht aus Übermut, sondern aus allgemein akzeptierten Gründen, Dächer.
Wenn der Kreis nun diese Dächer, also einen Teil seines Eigenkapitals nutzt, um einen Deckungsbeitrag für seinen gesetzlichen Auftrag zu erwirtschaften, ist das nicht verwerflich, sondern wirtschaftlich geboten.
Unternehmensberater nennen das „Erhöhung der Eigenkapitalrentabilität“.
„Auf kameralistisch“ heißt das: „wirtschaftlicher Umgang mit öffentlichem Vermögen“ und ist, wie auch der Betrieb von Schulen, gesetzlich gefordert.

Bleibt die Belastbarkeit der Berechnung der Wirtschaftlichkeit.
Die Berechnung, die uns die Kreisverwaltung vorgelegt hat, ist in den vergangenen Tagen mehrfach überprüft worden, und sie hat standgehalten.
Warum auch nicht: Auch die Sinziger Initiative baute auf die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik und war bereit, ihr eigenes Geld darauf zu setzen.
Ich selbst habe mir vor 2 Jahren eine Photovoltaikanlage aufs Dach gesetzt, zu einer wesentlich schlechteren Einspeisvergütung als heute.
Prognose (und Basis der Wirtschaftlichkeitsberechnung): 2000 kwh jährlicher Ertrag, entspricht 800 kwh/kwP.
Der Kreis rechnet 825 kwh.
Ergebnis meiner Anlage im 1. Jahr: 2500 kwh, im 2. Jahr: 2200 kwh.
Selbst der schlechtere Wert entspricht 873 kwh/kwP und übertrifft damit die Prognosen.
Die Auftragsbücher der Solarbranche wären nicht so voll wie sie sind, wenn es an der grundsätzlichen Wirtschaftlichkeit belegbare Zweifel gäbe.
Die Solarenergie boomt, das ist kein Beleg für Unwirtschaftlichkeit.

Der Boom ist natürlich auch kein Garant für den Erfolg.
Jede Anlage muß für sich qualifiziert geplant werden. Es darf keine Beschattung übersehen werden. Die Qualität und Leistungsfähigkeit der Module muß stimmen.
Außerdem haben wir noch kein einziges verbindliches Preisangebot.
Zwischenfazit also an dieser Stelle:
Den Sinziger Spatz hat der Kreis nicht mehr in der Hand, aber er hat die Tauben auch noch nicht auf dem Dach.
Er braucht sich aber von ebenso windigen wie schattigen Argumenten nicht abhalten lassen, das Projekt anzugehen.
Wer die Wirtschaftlichkeit anzweifelt, weil er die Inflation nur auf die Zinsen anrechnet, aber nicht auf die Tilgung, sollte sonst wo hingehen, aber nicht in eine Wirtschaftspartei.


„Zu wenig Sonne, zu unsicher, zu teuer.“
Das kennen wir schon gegen die Windenergie, jetzt geht es gegen die Solarenergie, und bald wird es so gegen die Biomasse gehen. Denn die Erneuerbaren kommen jetzt aus der Nische und holen ernsthaft Marktanteile. Marktanteile, die nicht kampflos aufgegeben werden.
Natürlich kann eine Photovoltaikanlage, auch wenn sie praktisch keine Mechanik hat, defekt gehen.
Eine Verkettung unglücklicher Umstände kann jeder Technik einen Streich spielen. Das ist ja die Essenz der FDP-Kritik.
Genau aus diesem Grund wünsche ich mir, daß in diesem Land jede Menge Solaranlagen betrieben werden – und kein einziges Atomkraftwerk.
Genau darum.

Wir sind hier alle Kommunalpolitiker, aus dem Kreis und für den Kreis. Ein Kreis, der keine Vorkommen an Erdöl und Erdgas, keine Uranvorkommen, keine Steinkohle, keine Braunkohle hat.
Aber wir haben Sonne, wir haben Wind, wir haben Biomasse, Biomasse in allen Formen und Farben (10-20 Mill. l Öläquivalent/Jahr).
Deshalb soll uns eine Energiewirtschaft willkommen sein, die auf diese Energieträger setzt. Energieträger, die unser Kreis anzubieten hat, um dafür an der Wertschöpfung entsprechend beteiligt zu werden.
Die Bundesrepublik ist inzwischen weltweit an erster Stelle nicht nur beim Ausbau der Windenergie, sondern auch der Photovoltaik. Die Erneuerbaren haben 2004 einen Umsatz von 11,5 Milliarden Euro generiert.
Unser Auftrag lautet, den Kreis Ahrweiler an dieser Entwicklung zu beteiligen.
Ich habe kürzlich das Plädoyer von Martin Lamm für die Solarenergie gelesen, gehalten bei einer Anhörung zum „Regionalplan erneuerbare Energien“ des südl. Oberrhein. Der Mann ist Präsident der dortigen Handwerkskammer.
Es macht klar, was die Investition des Kreises Ahrweiler von 4 Millionen Euro im Kreis Ahrweiler auch bedeutet.
Dabei geht es nur um 11 Dächer. Im Kreis gibt es aber über 36.000 Wohngebäude.

Es gibt Überlegungen, die geplante GmbH weiter zu fassen, auch bei uns.
Wir können uns vorstellen, und auch in diese Richtung zielen wir mit unserem eben erwähnten Antrag vom Dezember, den Betrieb der Heizungen in diese GmbH auszulagern.
Das wäre eine besondere Form des Contracting (Intracting), und es wäre denkbar, dazu privates Kapital und privates know-how in die GmbH zu holen, um den Betrieb der Heizungen und der Regeltechnik zu optimieren.
Aber bitte: das können wir doch nicht heute alles in den Vertrag packen.

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